Ilana Shmueli

 

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Ilana Shmueli, Kriminologin und Sozialpädagogin, Autorin und Übersetzerin, war 21 Jahre alt, als sie im Jahre 1945 zu Kestenberg kam. Sie erhielt zu diesem Zeitpunkt bei einem Violinisten des Palästine Orchestras Unterricht und war auf der Suche nach beruflichen Perspektiven. Ihre erste Begegnung fand in Kestenbergs Wohnung statt, wo dieser, wie bereits in seiner Prager Zeit, eine Vortragsreihe gab, - mit dem schönen Titel "Du und ich, wir wollen lernen, Musik zu hören."

Kestenberg war gerade von seinem Amt des General Managers des Palastine Orchestras zurückgetreten und arbeitete an der Gründung eines Seminars für Musiklehrer, der sogen. "Midrasha leMenchanchim leMusika". Damit schuf er wiederum einen Ort, an dem er seine musikpädagogischen Ideen vermitteln und umsetzen konnte.

Ilana Shmueli wurde eine der ersten Studentinnen dieses Seminars, in dem sie wenig später als Kestenbergs Sekretärin arbeitete.

Kestenberg lud sie überdies zu privaten Klavierstunden ein, obwohl sie keine pianistischen Ambitionen hatte. Ilana, die damals vornehmlich intellektuell interessiert war, vermutet heute, daß er sie über die aktive Musikausübung am Klavier noch intensiver an den schöpferischen Prozessen musikalischer Werke beteiligen wollte.

Als Kestenberg auf die Siebzig zuging, begann er Dr. Herzl Shmueli, Ilanas Ehemann, als seinen Nachfolger einzuarbeiten. Im Jahre 1952 kam es zur Amtsübergabe und Kestenberg zog sich aus dem Musiklehrer-Seminar zurück.

Ilana Shmueli ging fortan andere Wege. Sie studierte Kriminologie und Sozialpädagogik, wurde Bewährungshelferin und arbeitete mit jungen, heimatlos gewordenen Mädchen aus europäischen Flüchtlingslagern. Heute ist sie Autorin und Übersetzerin literarischer Werke, wie z.B. der Gedichte von Paul Celan.

 

7.3.1924 Geboren in Czernowitz Der Vater stammt aus der Bukovina. Er absolvierte ein Ingenieurstudium in Wien und wurde noch als Student aktiver Zionist. Im ersten Weltkrieg diente er als K.u.K Oberleutnant. Er heiratete 1919 in Wien und ließ sich in Czernowitz als Besitzer einer Möbelfabrik nieder. Ihre Mutter ist gebürtige Wienerin. Zuhause wurde ausschließlich deutsch gesprochen. In der Schule wurde in rumänischer Sprache unterrichtet.
1940 Die Russen besetzen die Bukovina. Ihr Vater wird als Zionist und Kapitalist verfolgt.
1940-41 Besuch der jiddischen Schule. Hier eröffnet sich für sie eine neue und reiche Sprache und Literatur.
Sommer 1941 Deutsch-rumänische Besetzung. Der Großteil der jüdischen Bevölkerung wird nach Transnistrien deportiert. Ilanas Familie kann mit einer Anzahl jüdischer Familien in Czernowitz bleiben, da es ihr gelingt, die nötige Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Sie wohnen im Ghetto, tragen den gelben Judenstern und haben nur stark beschränkte Freiheiten.
März 1944 Flucht über Istanbul nach Palästina. Es gelingt ihrer Familie mit einer organisierten Gruppe Czernowitz zu verlassen und mit einem kleinen bulgarischen Transportschiff über Constanza auf illegalen Wegen nach Istanbul zu gelangen und von dort ins damalige Palästina einzuwandern.
1947 Ausbildung an der "Midrasha leMenchanchim leMusika", einem Musiklehrer-Seminar für Musikerziehung in Tel-Aviv, dessen Gründer und Leiter Leo Kestenberg ist.
1947-1953 Pädagogische Sekretärin an der Midrasha.
1948 Befreiungskrieg. Einzug zum Militär als verantwortliche Betreuerin von Kindern und Jugendlichen mit Erziehungs- und Sozialproblemen.
1953 Heirat mit dem Musikwissenschaftler, Dr. Herzl Shmueli, der von Kestenberg die Leitung der Midrasha übernimmt.
1956 Geburt der Tochter.
bis 1984 Studium der Sozialarbeit und Kriminologie. Sie ist bis 1984 in diesen Bereichen tätig.
seit 1984 Pensionierung, tätig als Übersetzerin und Autorin litararischer Texte. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien.
2001 Ihr Mann, Prof. Dr. Herzl Shmueli, erhält den Israel Preis.
März 2001 Tod ihres Mannes.
Seit 2002 Wechsel des Wohnsitzes nach Jerusalem.
1999 Erscheinen ihres Buches: "Sag, daß Jerusalem ist". Aufzeichnungen über Paul Celan, Oktober 1969-April 1970. Mit Übersetzungen von 27 Celan-Gedichten ins Hebräische (Edition Carmel).
Nov. 2000 Erscheinen ihres Buches, "Sag, daß Jerusalem ist", in deutscher Sprache (Isele Verlag: Eggingen).
Frühjahr 2003 Erscheinen ihres Buches , "Sag, daß Jerusalem ist", in italienischer Sprache (Quodlibet - Milano).